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Ex-Bild Chef Kai Diekmann über seinen Werdegang, den Chefposten bei BILD, die Gründung von StoryMachine und seine Freundschaft zu Helmut Kohl

Kai Diekmann ist wohl eine der wichtigsten Medienpersönlichkeiten der letzten Generationen. Kai arbeitete sich zum Chef der BILD-Zeitung hoch und besetzte diesen Posten für 16 Jahre am Stück. Chapeau.

Als Chef der BILD macht man sich nicht nur Freunde und auch die Freunde bleiben nicht immer verschont. Auf seine Art und Weise hat Kai diesen Drahtseilakt durchlaufen und baute sich so ein unglaubliches Netzwerk auf.

Nach seiner BILD Karriere, die im Januar 2017 mit dem ersten Trump Interview eines deutschen Redakteurs zu Ende ging, gründet Kai gemeinsam mit Philipp Jessen und Michael Mronz StoryMachine. StoryMachine ist die digitale Ghostwriting Agentur, die den digitalen Auftritt und auch die Krisenkommunikation diverser Konzerne übernimmt. 

Das Konzept: Machen und Klappe halten, denn man stehe ja im Hintergrund.

Im Interview sprechen wir ausführlich über den Werdegang von Kai Diekmann und wie er es zum BILD Chef gebracht hat.

Wir sprechen über die größten Erfolge als Gesicht von Bild und wie es ist den Kopf hinhalten zu müssen.

Dem Podcast entsprechend fokussieren wir uns natürlich auf die Gründungsgeschichte von StoryMachine und wie sich die Medienwelt derzeit verändert.

Natürlich bin ich nicht drum herum gekommen, wie Kai es schafft ein solches Netzwerk aufrecht zu halten und worauf es ankommt, wenn man Beziehungen aufbaut.

Zu guter letzt gab es noch eine Buchempfehlung und hier wurde es für Kai persönlich. Er beschreibt es als eitel, ich als authentisch, denn er beschreibt denn Prozess hinter dem Buch „Ich wollte Deutschlands Einheit“, welches von Helmut Kohl veröffentlicht wurde. Als Autor unterstütze Kai hier seinen guten Freund Gedanken zu ordnen und für jeden lesbar zu gestalten. 

Wichtige Links:

– Kai’s LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/kaidiekmann/

– Das Trump Interview: https://jungunternehmerpodcast.com/r/trump-interview

– YEP: https://jungunternehmerpodcast.com/yep

Just Create ist ein Format, welches Fabian Tausch in Kooperation mit Logitech und Blue Microphones veröffentlicht. Hierbei geht es um inspirierende Stories, die so herausragend sind, dass sie unbedingt erzählt werden müssen. Vielen Dank an Logitech und Blue Microphones für die tolle Zusammenarbeit!


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Read Full Transcript

Fabian Tausch: 00:00:00,040 --> 00:00:50,850
Herzlich willkommen zu einer neuen Podcast Folge Jungunternehmer Podcast. Tatsächlich muss ich einen ganz kurzen Disclaimer vorne weg loswerden, denn mir ist leider zu spät aufgefallen, dass bei der Aufnahme ein Mikrofon leicht übersteuert war. Glücklicherweise meines. Bedeutet die Fragen manchmal leicht übersteuert. Man merkt dann, dass meine Stimmfarbe abnimmt, wenn man sie ein bisschen runter pitchen musste. Nichtsdestotrotz sehr spannendes Interview, was jetzt auf euch zukommt. Sehr, sehr geiler Gast. Nehmt es mir nicht übel, ich arbeite. Beim nächsten wird es hoffentlich nicht mehr passieren. Ich hab noch ein paar aufgenommen, muss jetzt da alles durch kontrollieren, aber ja, lasst euch nicht aus der Ruhe bringen. Kai immer gut zuhören. Sehr spannender Gast! Viel Spaß mit Kai Diekmann!

Fabian Tausch: 00:00:51,440 --> 00:01:38,450
Herzlich willkommen zu einer neuen Podcast Folge "Just Create"! In dem Podcast geht es darum, Storys von Menschen zu erzählen, die mehr als außergewöhnlich sind und die junge Leute dazu inspirieren sollen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich zu überlegen, was sie machen wollen. Das können Unternehmer sein, das können Künstler sein, das können Artists sein. Das können exakt ehemalige Chefs der Bild und jetzt Gründer sein. Menschen, die mit allen möglichen politisch mächtigen Menschen mal am Tisch saßen oder mit allen möglichen Stars und ein Netzwerk haben, dass wirklich überall hin reicht. Mein heutiger Gast ist die Person oder die Personalie, die ich gerade auch so leicht angerissen habe es ist Kai Diekmann.

Fabian Tausch: 00:01:39,040 --> 00:01:49,150
Kai ist der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber der Bild. War er von 2001 bis 2015. Doch oder, richtig?

Kai Diekmann: 00:01:49,740 --> 00:01:51,810
Chefredakteur und dann noch ein Jahr Herausgeber.

Fabian Tausch: 00:01:52,030 --> 00:02:37,684
So rum. So, ich bin ... die Zahlen in der Recherche noch nicht so konkret. Kai ist gerade Gründer von Storymachine, einer PR Agentur. Aber PR Agentur ist sehr salopp gesagt, würde ich behaupten. Gemeinsam mit Michael Mronz und Philipp Jessen. Kai ist Mitgründer des Zukunftsfonds, einer digitalen Vermögensverwaltung. Und zum Beispiel auch und da sieht man dann wie weit reichend dann die Personalie Kai Diekmann auch ist: Teil des Public Policy Advisory Board bei Uber. Dementsprechend auch nicht nur im Deutschen Staat irgendwie bekannt, sondern wirklich doch sehr weit reichend vertreten.

Fabian Tausch: 00:02:51,040 --> 00:03:03,450
Kai, ich hab gerade sehr viel nur auf diese ganzen Business Sachen Bezug genommen und das ist ja auch immer toll und auch die Erfolge und alles, da kommen wir auch noch drauf im Interview. Aber was muss man über die Person Kai Diekmann noch wissen?

Kai Diekmann: 00:03:06,740 --> 00:03:40,650
Eine Menge wird ja gerne aufgelistet in den verschiedenen digitalen Nachschlagewerken. Wikipedia, das ist auch immer ganz interessant. Was man über Kai Diekmann wissen? 56 Jahre alt, ein bisschen älter, lebt leidenschaftlich gern in Potsdam und auf der Insel Usedom. Vater von vier Kindern und leidenschaftlicher Läufer und Chef von zwei Ziegen.

Fabian Tausch: 00:03:41,440 --> 00:03:51,660
Chef von zwei Ziegen. Ich hab die Bilder irgendwann gesehen tatsächlich, auf Linkedin. Als du gepostet hast, dass man sich in den USA als neues Geschäftsmodell jetzt Ziegen für Zoom Meetings mieten kann.

Kai Diekmann: 00:03:52,320 --> 00:04:00,630
Habe ich auch mal versucht bei Zoom Meetings meine Ziegen mit reinzubringen. Hab es auch mal gemacht, aber so richtig drauf angesprungen ist keiner.

Fabian Tausch: 00:04:00,630 --> 00:04:03,428
Hören die da drauf? Also, kannst du denen sagen "komm jetzt mal mit" und ziehst die einfach mit und die bleiben da stehen?

Kai Diekmann: 00:04:04,550 --> 00:04:11,660
Ziegen haben ja auch nicht ohne Grund den Ruf störrisch zu sein und die machen immer genau das Gegenteil von dem, was man will.

Fabian Tausch: 00:04:13,250 --> 00:04:19,750
Dann umso besser, dass man das als Geschäftsmodell versucht. Warum Potsdam nicht Berlin?

Kai Diekmann: 00:04:20,920 --> 00:05:06,870
Weil Potsdam mir lange bevor ich entschieden habe, dass wir mit Bild von Hamburg nach Berlin gehen, Potsdam wahnsinnig gut gefallen hat. Wir uns in Potsdam verliebt haben und gesagt haben, als dann der Umzug anstand, also wenn wir die Chance haben, nach Potsdam zu gehen und dort zu leben mit der Familie, dann tun wir das. Es ist ein Unterschied, ob du hier als Single ohne Familie in Berlin Mitte lebst oder ob du vier Kinder hast, die ein bisschen Auslauf brauchen. Und dann ist Potsdam einfach ideal. Da ist ganz viel Wasser, da ist ganz viel Grün, da ist ganz viel Wald, da ist eine vernünftige Infrastruktur. Ich habe einmal ein bisschen arrogant behauptet, Potsdam hat alle Vorteile von Berlin, ohne einen einzigen seiner Nachteile und man ist auch schnell in Berlin.

Kai Diekmann: 00:05:07,810 --> 00:05:18,850
Also wenn ich heute hier jetzt gleich mit dir durch bin, dann steige ich in die S 1 und fahren durch bis nach Wannsee, und stolpere dort in den Bus, der mich dann an der Glienicker Brücke raus schmeißt. Es ist tatsächlich nah!

Fabian Tausch: 00:05:19,480 --> 00:05:24,270
Ja, Wannsee sind irgendwie 15 bis 20 Minuten oder so mit der S Bahn oder vielleicht auch 25, ich weiß es garnicht.

Kai Diekmann: 00:05:24,490 --> 00:05:43,010
Das sind ja immer die alten Lügen, die man so erzählt? Tatsächlich ist es mit der Regionalbahn ist es wirklich nah, 20 Minuten. Hier vom Hauptbahnhof mit der S Bahn brauchst du ein bisschen länger, aber ist erstens eine schöne Strecke. Du kannst zweitens Lesen oder arbeiten, und tatsächlich du steigst nicht um.

Fabian Tausch: 00:05:44,380 --> 00:05:50,880
Und gelaufen bist du und wenn ja, wie viele Marathons gelaufen?

Kai Diekmann: 00:05:51,140 --> 00:06:57,450
Marathon lauf ich nicht, weil mein Physiotherapeut wahrscheinlich meine Behandlung einstellen würde. Ich habe zweimal einen Halbmarathon gemacht und laufe jedes Jahr den RBB Lauf mit. Das ist ein Drittel Marathon. Aber laufe zwei, drei Mal die Woche, auf jeden Fall meine zehn Kilometer. Ich bin Fun Läufer. Ich laufe gerne und viel, und wenn ich nicht laufen kann morgens, dann fehlt auch was. Ich bin ein kleiner morgen Läufer, also keiner, der abends dann sich die Schuhe anzieht, sondern ich mags gerne morgens in die frische Luft und dann überall hin. Egal wo meine Frau und ich auf Reisen sind, wir gehen dann immer laufen. Wir haben jetzt gerade einen Kurzurlaub gemacht, waren in Griechenland und selbstverständlich gehen wir dann dort auch - wir waren vier Tage da, davon waren wir zweimal Laufen. Wir waren in Äthiopien, da sind wir gelaufen, das war echt anstrengend. Auf 3000 Meter Höhe, das merkst du dann schon. Aber es ist eine tolle Art und Weise, immer deine Umgebung zu erkunden. Wir, egal wo wir sind, haben immer die Laufschuhe dabei und gehen dann auf Tour.

Fabian Tausch: 00:06:58,190 --> 00:07:03,410
Das heißt bei aktuellen Temperaturen stehst du grundsätzlich früh auf, dass du nicht in die absolute Hitze läufst, oder?

Kai Diekmann: 00:07:03,420 --> 00:07:14,860
Also Gestern bin ich früh aufgestanden. Da waren wir dann um sieben Uhr unterwegs. In Griechenland ist es einmal schief gelaufen, weil ich noch ein paar Telefonate hatte und war in der in der Hitze. Das war mörderisch!

Fabian Tausch: 00:07:15,900 --> 00:08:21,250
Das kann mir vorstellen. Das kann mir vorstellen. Ich stellte jetzt eine sehr banale Frage, die wahrscheinlich einen kleinen Ausschweif erfordert. Aber ich glaube, wenn wir jetzt mal versuchen, all deine Stationen nach und nach durch zu sprechen, dann sitzen wir hier ein bisschen. Kannst du kurz mal mit den wichtigsten Schlüsselfaktoren den Weg zum Bild Chefredakteur und dann auch Herausgeber beschreiben? Warum ich das in den Schlüssel Momenten haben will, ist weil ich glaube, dass sich viele daran aufhängen. Klar, Kai Diekmann war mal der Bild Chef. Und so plakativ gesagt würde ich fragen "wie wird man BILD Chef"? Mich interessiert aber wo hat es angefangen, weil du bist ja nicht von heute auf morgen Bild Chef. Da steckt schon ein bisschen was dahinter und da muss man sich schon ein bisschen auch bewiesen haben. Aber wenn wir den Weg komplett dekodieren und dann noch mal über die Zeit bei Bild und Storymachine sprechen, dann wird das noch ein bisschen dauern, bis du in die S1 steigst. Also ganz plakativ gefragt: "Wie zur Hölle wird man Bild Chef?"

Kai Diekmann: 00:08:21,640 --> 00:08:27,650
Du bist sicher, dass du so tief ins vorvergangene Jahrhundert oder ins vergangene Jahrhundert einsteigen willst?

Fabian Tausch: 00:08:27,650 --> 00:08:29,240
Ich werde dich unterbrechen, wenn es mir zu viel wird.

Kai Diekmann: 00:08:29,890 --> 00:09:40,212
Nicht, dass das hier so eine Geschichte wird Papa oder Opa erzählt vom Krieg. Also relativ einfach. Ich bin in den 80 er Jahren politisiert worden. Das war der Wahlkampf Franzl Strauß. Da habe ich angefangen, mich für Politik zu interessieren, weil das ja eine unglaublich emotional aufgeladene Wahlkampf Situation war. Das hat mich gepackt, das hat mich interessiert. Da habe ich angefangen, auch Politik zu machen, selber zu machen in der Jungen Union und bin dort das erste Mal in Kontakt gekommen, mit Jugendzeitungen oder Schülerzeitungen und hab dann sehr schnell mit Freunden eine eigene Schülerzeitung gegründet und festgestellt das macht mir Spaß, Wirkung zu erzielen. Ich will jetzt nicht mal behaupten, es hat mir Spaß gemacht zu schreiben, sondern mit einem Blatt Wirkung zu erzielen. Damals übrigens in einem Ökosystem, das eher von linken, politisch linken Schülerzeitung geprägt war und wir dort eine echte Provokation gewesen sind. Und dann kam noch hinzu, dass diese Schülerzeitung nicht nur an einer Schule vertrieben wurde, sondern sehr schnell einer der größten Schülerzeitung des Landes wurde. Wir haben am Ende über 30.000 Exemplare gehabt, und wurden von der örtlichen Lokalzeitung gedruckt.

Kai Diekmann: 00:09:43,350 --> 00:11:09,860
Das war mit Sicherheit einer dieser Schlüssel Momente, weil das nicht dazu gebracht, dann auch für die ortsansässige Lokalzeitung zu schreiben, also wirklich ganz klassischen Lokaljournalismus am Wochenende neben der Schule zu machen, das ist vorallem bei Bielefeld, da habe ich wirklich was gelernt. Das war noch Schreiben und Fotografieren und dann gab es den Schlüsselmoment , dass ich bei der Bundeswehr war, hatte mich für zwei Jahre verpflichtet, als Zeitsoldat aus politischen Gründen. Das war dann '83, das war die Zeit des Nato Doppelbeschlusses. Da ging es um die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen auch in Deutschland und kam zur Panzer Artillerie. Und die Panzer Artillerie und ich waren ein großes Missverständnis. Habe sehr viele Wochenenden in der Grundausbildung in der Kaserne verbringen müssen. Bis mich dann ein sehr verständige Batallionskommandeur darauf aufmerksam machte, dass es so etwas gibt wie die Pressestelle der Bundeswehr, von wo aus nicht nur externe Pressearbeit gemacht wurde, sondern eben auch die Truppen Zeitschriften, Heer, Luftwaffe, Marine und Bundeswehr Aktuell. Und dort bin ich dann gelandet und hab dort super spannende Kollegen kennengelernt, die später Karriere bei DPA, bei der Süddeutschen und anderswo gemacht haben und bin dort wirklich ein Stück weit entzündet worden für den Journalismus.

Kai Diekmann: 00:11:10,890 --> 00:12:52,280
Dann wurde tatsächlich die Bild Zeitung, insbesondere die Bild am Sonntag auf mich aufmerksam, weil die Dinge sahen, die ich dort gemacht hatte und haben mich eingeladen ein Praktikum bei Bild zu machen. Auch während meiner Bundeswehrzeit. Dann kam am Ende des Praktikums das Angebot, die Ausbildung, die Ausbildung zum Redakteur bei Bild oder Bild am Sonntag zu machen. Und dazu muss man wissen, dass der Schlüssel zum Journalistenberuf Beruf ist nicht irgendein Studium, sondern ist ein Volontariat. Und ich bin geburtenstarker Jahrgang. Ich sag mal, ich war Jahrgang '64. Das sind die meisten Deutschen. Es gibt von keinem Jahrgang so viele wie von meiner Sorte. Und damals gab unendlich viele Bewerber. Auf einen freien Voluntärsplatz. Und formale Voraussetzung war eigentlich ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung. Und dann kam der Axel Springer Verlag und sagte hier, du kannst bei uns eine Ausbildung machen, und zwar dann gleich bei der Bild am Sonntag mit den Stationen Hamburg, Bonn, damals Bundeshauptstadt, dort im Korrespondentenbüro und dann noch beim Springer Auslandsdienst in New York. Nach dieser Ausbildung war ich ein Stück weit versaut, konnte mir nicht vorstellen, jetzt unmittelbar zu studieren, was ist eigentlich vorgehabt hätte - Geschichte, Germanistik und Politik. Ich war dafür auch schon immatrikuliert und hab dann gedacht, am Ende des Voluntariats wird mir dann angeboten, ich hätte in New York bleiben können. Aber hab dann zugesagt für Bonn als Korrespondent - als ganz, ganz, ganz junger Korrespondent - ich glaube ich war einer der jüngsten in Bonn überhaupt und das war super spannende Zeit. Du bist so jung und hast auf einmal mit Bundespolitik zu tun.

Fabian Tausch: 00:12:52,280 --> 00:12:58,720
Ich kann mich noch nicht mal mehr dran erinnern an die Zeit, dass Bonn noch Bundeshauptstadt war. Also ich möchte dir nicht sagen, dass du alt bist.

Kai Diekmann: 00:12:58,730 --> 00:14:17,750
Opa erzählt vom Krieg. Mal ganz tief in der Mottenkiste des letzten Jahrhunderts. So, und damit war das Thema auch Studium dann stückweit gegessen. Ich wurde dann ganz schnell Chef Reporter, einen Abstecher gemacht zur Bunten. Dann hat mich Springer zurückgeholt und mit 25 zum stellvertretenden Chefredakteur der B Z. gemacht, damals der großen Zeiten von Berlin und ein Jahr später kam das Angebot, stellvertretender Chefredakteur und Politikchef von Bild zu werden. Da war ich gerade mal 26. Und das habe ich dann fünf Jahre gemacht und dann kam ein echter Bruch, dann flog ich nämlich raus bei Springer. Hatte einen massiven Konflikt mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden und musste bei Bild gehen. Habe die Zeit genutzt mich fünf Monate in Südamerika herum zu treiben. Hab mir einen roten Ford Bronco gekauft, in Miami. Bin mit dem von Osten in den Westen gefahren, immer weiter runter bis nach Kalifornien, dann mit dem Schiff übergesetzt nach Baja California, dann durch Mexiko. Und als ich irgendwann später in Panama City an kam, kriegte ich die Information, dass sie den Vorstandsvorsitzenden rausgeschmissen hätten, und sie würden mich bitten, doch zurück zu kommen und wieder zu arbeiten.

Kai Diekmann: 00:14:19,010 --> 00:16:08,260
Und nachdem ich dann einen Bananendampfer gefunden hatte, auf dem Auto abstellen konnte - sonst hätte ich nämlich alles zurückfahren müssen. Weil du darfst... Du kriegst das Auto an jeder mittelamerikanischen Grenze in deinen Pass gestempelt und du kannst nur ausreisen wenn der Wagen auch wieder draußen ist. Dann bin ich zurück und hatte aber keine Lust zur Bild zu gehen. Und dann kam das Angebot sehr schnell Chefredakteur der Welt am Sonntag zu werden. Dann war ich etwas über zwei Jahre Chefradakteur der Welt am Sonntag, was mir unglaublich viel Spaß gemacht hat. Großartige Zeitung, großartiges Team. Dann wurde Mathias Döpfner Zeitungsvorstand bei Axel Springer und wir kannten uns ganz lange aus der Zeit, als er noch Chefredakteur der Hamburger Morgenpost war, ich Politikchef bei Bild und dann kam das Angebot "Mensch Kai könntest du dir nicht vorstellen, Chefredakteur von Bild zu werden?". Vor Ende 2000. Das ist so ein Angebot - offer you can't deny! Weil hätte ich es nicht gemacht, hätte ich mich früher oder später irgendwann geärgert. Weil die Welt am Sonntag war großartig, war toll. Aber auch eine Zeitung, die völlig unumstritten war. Um die es keine Konflikte gab. Sondern, Welt am Sonntag haben alle gerne gelesen. Und Welt am Sonntag gehört auch heute noch zum Lebensgefühl am Wochenende in einem bestimmten bürgerlichen Lesepublikum einfach dazu. Ich habe immer gesagt, wenn ich an Welt am Sonntag denke dann sehe ich blauen Himmel, sehe ich einen Leuchtturm, sich in rot karierte Decke und einen Brötchenkorb und Marmelade. Und das hat echt Spaß gemacht und mir war klar das Bild natürlich wieder polarisiert. Das gehört zum Markenkern von Bild und, ich habe dann Ja gesagt. Ich hätte mir damals allerdings auch nicht vorstellen können, dass es dann unvorstellbare 16 Jahre an der Spitze des Berges werden.

Fabian Tausch: 00:16:08,260 --> 00:16:35,920
Jetzt ist die Bild, wie du gerade gesagt hast ja schon was, wo man vielleicht des öfteren Kritik abbekommt, ob als Chefredakteur, als Zeitungen, als Personen also, wenn man mit jemand anderem spricht, und man hört, "Aber die Bild, die ist doch eh immer so...". Die Leute haben eine sehr gefestigte Meinung oder viele Leute haben eine sehr gefestigte Meinung gegenüber dem Blatt. Wie bist du oder wie hast du es geschafft damit umzugehen? War das einfach so "prallt eh an mir ab, mich, juckt das gar nicht", oder musstest du das lernen? Wie war das?

Kai Diekmann: 00:16:36,380 --> 00:16:43,110
Mein Standardspruch war immer, wenn ich beliebtester Journalist Deutschlands hätte werden wollen, hätte ich nicht zur Bild gehen dürfen.

Fabian Tausch: 00:16:43,110 --> 00:16:46,580
In dem letzten Interview hast du gesagt - bei der Zeit - "da hätte ich zur Zeit gehen müssen."

Kai Diekmann: 00:16:47,960 --> 00:18:01,630
Aber das ist mit starken Marken so. Starke Marken polarisieren. Und das gilt nicht nur für die Bild Zeitung. Es gilt auch für Bayern München. Du hast entweder große Fans von Bayern München oder entschiedene Gegner. Starke Marken polarisieren und lösen diese Gefühle aus und Bild ist geben eine besonders laute Trompete auf der Medien Bühne des Landes. Es ist die Lauteste trocknet und es gibt keinen, keine andere Medien Marke, die so viele Menschen erreicht. Und wir tun das natürlich auch mit Mitteln, zu denen mit manchmal eine Grenzverletzung gehört, zumindest an die Grenzen zu gehen. Dazu gehört manchmal Holzschnittsartig zu sein. Dazu gehört auch, Dinge sehr auf den Punkt zu bringen, in sehr plakativen Schlagzeilen. Dazu gehört eine besondere Art der grafischen Aufbereitung und das alles führt dazu, dass diese Zeitung, die im Umgang mit anderen auch das ist richtig, nicht nur zimperlich ist, sondern wir teilen gerne aus, das gehört dazu. Die Bild will Leuten auf die Füße und auf die Zehn steigen und deswegen darf man da ehrlicherweise nicht empfindlich sein, wenn es darum geht selber auch was ein zu stecken.

Kai Diekmann: 00:18:02,200 --> 00:18:15,050
Die Marke Bild war für mich irgendwie schon wie gemacht. Ich musste da mich nicht verbiegen, weil ich bin mein ganzes Leben keiner Prügelei aus dem Weg gegangen und deswegen haben wir irgendwie ganz gut zueinander gepasst.

Fabian Tausch: 00:18:16,240 --> 00:19:04,780
Sehr sehr spannend! Ich hab schon...man liest ja dann doch mal kurz auf Wikipedia und da steht auch drin, dass zum Beispiel mal die einander ein oder andere Vorwurf kam und der dann aber zum Beispiel, wo es hieß "Sorry, aber als jemand der bei der Bild sich selbst irgendwie aktiv dafür entscheidet immer mal wieder solche Storys zu bringen kann sich nicht beklagen, wenn jemand anders irgendwie mal so was macht." Also das geht bis in ins letzte Nadelöhr in Deutschland, dass jemand irgendwie dann diesen Ruf auch wahrnimmt und vielleicht auch ja ausspielt, sag ich jetzt mal. Du hast ja gesagt, ich hätte mir nicht vorstellen können 16 Jahre bei der Bild dann ganz oben zu bleiben. Was hat dich daran so fasziniert. Also, was hat am Ende dazu geführt, dass du so lange bleibst?

Kai Diekmann: 00:19:05,130 --> 00:22:02,460
Weil Bild ein faszinierendes Medium ist. Sowohl noch in analogen Zeiten und insbesondere natürlich auch dann im Zuge der Digitalisierung. Die Bild Zeitung erlaubt jede Art von Journalismus. Ich kann knackigen Boulevard Journalismus machen, ich kann aber auch Illustrierte sein und großartig mit Optiken, mit Fotos spielen. Fotos riesig machen, so groß machen, wie das eine eine Illustrierte niemals kann. Die Bild Zeitung heißt ja auch nicht ohne Grund "Bild "und nicht "Text" oder "Schlagzeilen", weil eben das Bild als informationsvermittelndes Element ganz wichtig ist. Ich kann aber auch ein 800 Zeilen Interview über mehrere Seiten mit der Bundeskanzlerin und mit Donald Trump machen. Das heißt, es gibt keine Form, keine Form der Darstellung, die die Bild Zeitung nicht erlaubt. Ich erinnere mich, dass wir mal eine Ausgabe als die, wenn wir verschiedene Einträge in dieses Buch der Weltrekorde betrachten, wir haben die größte Zeitung der Welt einmal gebaut, in dem wir das Format verdoppelt oder verdreifacht haben und dann dort Katarina Witt in Originalgröße abgebildet haben. Wir haben eine Ausgabe gemacht, die war nur in 3D. Die musste mit einer Brille betrachtet werden. Wir hatten dafür großartige Bilder produziert. Ich erinnere mich, das es mal eine Meldung gab, die Schreibschrift stirbt aus, weil keiner mehr mit der Hand schreibt. Darauf haben wir die gesamte Seite eins, eine komplette Seite eins ausschließlich in Schreibschrift gestaltet. Das heißt, wenn du Lust am Gestalten hast, wenn du Lust an Kreativität hast, wenn du an der Inszenierung hast, dann ist Bild ein fantastisches Medium. Dazu kommt natürlich auch diese ungeheure Reichweite, das heißt du erzielst Wirkung. Das, was du in Bild machst, bleibt nicht ohne Konsequenzen. Das heißt, du kannst auch den Blick auf Themen richten, die möglicherweise ein Schattendasein führen. Du kannst Themen auf eine völlig andere Art und Weise annehmen. Das Thema zeitgenössische Kunst ist beispielsweise ein Thema gewesen, vor dem sich Bild viele Jahre auch gedrückt hat in der Sorge, dort ein Publikum nicht für interessieren zu können. Ein Thema, das vielleicht zu nischig ist, was wir ganz bewusst angefasst haben, indem wir Künstlern, großen zeitgenössischen Kunstlern, angeboten haben, einmal im Jahr eine Seite in Bild zu gestalten und das dann zu erklären und so einem Millionenpublikum Zugang zu einem Thema zu ermöglichen, für das sonst möglicherweise gewisse Schwellenangst auch besteht. Ich werde nie vergessen als ich mal mit einem Künstler sprach, der fast 100 war und mit dem wir etwas gemacht haben. Der gesagt hat seine ganzen Museumsausstellungen in seinem ganzen Leben haben nicht so viele Zuschauer gebracht, so viele Besucher gebracht, wie dieses eine Bild was er in Bild gemacht hat.

Fabian Tausch: 00:22:04,240 --> 00:22:24,400
Wie würdest du sagen, es gibt so den einen oder die zwei Geniestreiche deinerseits oder halt in deiner Zeit während Bild? Ich muss zugeben, ich habe damals die Bild nicht verfolgt, ich war da zehn.

Kai Diekmann: 00:22:24,640 --> 00:24:59,950
Da gibt es ganz viel. Das ist ein ganz wichtiger Grund, warum man 16 Jahre an der Spitze einer solchen, auch anstrengenden, Bild ist eine anstrengende Medienmarkt, weil du eben nichts unter dem Radar machen kannst. Auch Fehler sind besonders eindrucksvoll. Ich behaupte Bild macht nicht mehr Fehler als jedes andere Medium. Nur bei uns sind sie halt wirklich eindrucksvoller und auffälliger als bei allen anderen. Da gab unendlich viel Dinge, und der Grund, warum Bild so kreativ ist und kreativ war, ist das Team. Also wenn du dort nicht so ein vernünftiges Team hast, dann schaffst du es nicht solange. Das, muss ich wirklich sagen, dass ich in der Zeit immer mich auf ein großartiges Team verlassen konnte. Und das ist ja auch kein Zufall, dass ich glaube ein gutes Dutzend meiner Stellvertreter, die ich in der Zeit gehabt habe, denn irgendwo Chefredakteur anderer Zeitungen wurden. Die größte Zeitung im Osten ist die Sächsische Zeitung, der Chefredakteur war einer meiner Stellvertreter. Der Chefredakteur von DPA, Sven Gösmann, war einer meiner Stellvertreter. Die größte Zeitungen im Südwesten - der Süd-Westpresse - der Chefredakteur war einer meiner Stellvertreter. Das zeigt eben schon, dass Bild auch Qualität anzieht und dass du bei Bild auch viel Qualität mitbringen musst, wenn du dort erfolgreich sein willst. Und dieses kreative Team hatte viele tolle Ideen. Also wir haben zum Beispiel die Ausgabe zum zehnten Jahrestags des Anschlages von 9/11 haben wir aus New York heraus produziert. Da ist ein ganzes Team von knapp 100 Leuten nach New York gegangen und hat die Ausgabe zu dem Tag von dort aus produziert. Ich erinner mich an eine Fußball Weltmeisterschaft, die in unter anderem in Japan stattfand, wo die Spiele durch die Zeitverschiebung so stattfanden, dass wir morgens erschienen mit einem deutschen Spiel und nicht wussten, wegen des Redaktionsschlusses, weil ja irgendwann gedruckt werden musste, ob wir gewonnen haben oder ob wir verloren haben und wir dann immer auf der Seite eins, zwei Möglichkeiten angeboten haben. Die eine Hälfte war für den Fall, dass wir gewonnen haben, ja. Und die andere Hälfte war Nein. Man musste es dann umdrehen. Es gab so unglaublich viel kreative Momente und das ist ja auch das, was dir dann so viel Freude bereitet, dass du das eben auch mit Lust machst und du deswegen auch dort so lange durch hältst. Also wenn man das nicht wirklich mit Lust, mit Freude und mit Spaß macht, dann hältst du keine 16 Jahre durch.

Fabian Tausch: 00:25:01,340 --> 00:25:19,080
Du hast in deinem Leben gerade auch während der Bild Zeit unendlich viele hochrangige Persönlichkeiten kennen gelernt. Das kann aus allen diversen Bereichen sein. Wer davon ist dir wirklich, wer hat dich am meisten inspiriert und ist dir am meisten im Kopf geblieben?

Kai Diekmann: 00:25:19,530 --> 00:25:44,150
So fragt Bild natürlich auch immer. Das ist eine Frage, die kann man so komplex gar nicht beantworten. Aber es gibt Begegnungen, die wirst du nicht vergessen. Dazu gehört unsere unsere Audienz bei Johannes Paul II, wenige Monate vor seinem Tod. Das war ein unglaublich bewegender, unglaublich intensiver Moment.

Fabian Tausch: 00:25:44,730 --> 00:25:49,050
Du bist aber auch zusätzlich katholisch aufgewachsen, oder? Also spielt wahrscheinlich schon auch noch mal...

Kai Diekmann: 00:25:49,410 --> 00:26:39,260
Das weiß ich nicht. Also wir waren damals mit einer Delegation von Bild bei Johannes Paul und da waren gestandene Protestanten also mit Claus Jacobi, dem langjährigen Chefredakteur der Welt am Sonntag. Ich glaube, der war nicht minder beeindruckt von dieser Begegnung mit dieser historischen Figur. Man darf nicht vergessen, Johannes Paul ist ja nicht nur als Papst das Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern ist natürlich auch politisch eine unglaubliche wichtige Figur. Ich behaupte, Johannes Paul ist es gewesen, mit seiner Unterstützung für die Solidarnosc, der dafür gesorgt hat, dass die erste Stein aus der Mauer geschlagen wurde. Ohne Johannes Paul keine Solidarnosc, ohne Solidarnosc wäre die Mauer um uns zusammengefallen.

Kai Diekmann: 00:26:40,620 --> 00:27:33,550
Dazu gehört natürlich meine ganz vielen Begegnungen mit Helmut Kohl und die Freundschaft, die aus diesen vielen Begegnungen erwachsen ist. Dazu gehört natürlich auch eine unglaublich inspirierende Reise, in das Indische Himalaya Gebiet, wo wir drei Tage mit dem Dalai Lama verbracht haben und im sehr, sehr nahe gekommen sind. Also natürlich in persönlichen Gesprächen, in langen persönlichen Gesprächen, ihn aber auch erlebt haben in seiner Umgebung. Dazu gehören natürlich wiederholte Begegnungen mit Michael Gorbatschow, den ich überaus schätze. Natürlich ist so etwas wie das Interview mit Donald Trump wenige Tage vor seiner Inauguration etwas, was du nicht vergisst und wo du dich auch an die Details immer erinnerst.

Kai Diekmann: 00:27:34,340 --> 00:27:49,710
Das Gleiche gilt aber auch für George W. Bush. An dem Interview mit George W. Bush habe ich fünf Jahre gearbeitet, bis es endlich soweit war. Und wenn du dann dort im Oval Office stehst und es passiert tatsächlich, das sind alles die Momente, die man nicht so schnell vergisst.

Fabian Tausch: 00:27:50,540 --> 00:28:34,550
Ich habe mir sagen lassen und ich bin niemand, ich lese wirklich seit drei Jahren keine News mehr, kein gar nichts. Ich bin da wirklich sehr, sehr uninformiert, wenn es um solche Themen geht. Da können wir gleich noch mal darauf zurückkommen. Aber ich hab mir sagen lassen, die Story zu Trump schien doch recht interessant zu sein. Also Rubin, du hast ihn ja vorhin beim Reingehen kurz gesehen hatte gemeint, "du musst Kai unbedingt nach der Trump Story fragen." Bestimmt wird die der ein oder andere kennen, weil sie vielleicht schon das ein oder anderer Mal erzählt hast oder irgendwie sie auch dementsprechend nach außen kommuniziert hast. Aber ich muss jetzt ganz dumm noch mal nachfragen - was ist da passiert? Wie kam es zu dem Interview und was ist daran so besonders?

Kai Diekmann: 00:28:35,940 --> 00:28:47,790
Naja, fangen wir mit letzterem an. Ich kann mich nicht erinnern, dass außer diesem Interview, Donald Trump bis heute irgendeinem anderen deutschen Medium oder einem anderen deutschen Journalisten ein Interview gegeben hätte.

Fabian Tausch: 00:28:47,800 --> 00:28:49,320
Das ist eine guter Punkt.

Kai Diekmann: 00:28:49,430 --> 00:29:29,600
Insofern hatte es doch bis heute einen gewissen Exklusivitätsanspruch. Es is glaube ich, die Geschichte mit der höchsten Reichweite in der Geschichte der Bild Zeitung gewesen, wenn ich mir die Auswertung an gucke. Ich habe mich frühzeitig um einen Interview mit Donald Trump bemüht, als er noch Kandidat war. Bin relativ dicht ran gekommen und habe irgendwann von Ivanka eine Mail bekommen, dass es kein Interview gibt. Als er dann als Präsident gewählt war, habe ich mich noch mal bemüht und auch um einen privaten Kontakt bemüht. Und das war dann schon die Zeit, als ich wusste, dass ich Springer verlasse, dass ich gehe zum 31.12. Und mir ist auch damals gelungen, das wirklich bis zum 30.12. - ein Tag vorher - geheim zu halten, da bin ich bis heute darauf stolz, dass das nirgendwo herausgekommen ist.

Kai Diekmann: 00:29:45,690 --> 00:31:10,390
Und irgendwann bekam ich einfach eine SMS - "Please, be at Trump Tower on Friday 13th, 12 o'clock, for the interview." Nichts anderes. Keine Fragen vorher, gar nichts. Und wenn man weiß, wie normalerweise - ich habe ja vorher kurz erwähnt, dass ich für dieses andere Interview mit George W. Bush unendlich viele Wege gehen musste und musste vorher antanzen, hatte ein Gespräch damals mit Condoleeza Rice im Vorfeld dieses Interviews. Wenn du weißt, wie umständlich es ist, ein Interview mit einem französischen Präsidenten vorzubereiten. Wieviele E Mails da gewechselt werden. Wieviele Diskussionen es gibt über die Inhalte, Fragen, keine Fragen. Und hier gab es nur diese SMS. Sonst nichts. Und kein Stabschef, der sich gemeldet hat, oder irgendetwas. Und ich war mir nicht ganz sicher, ob es wirklich stattfindet. Klar war, es findet erst im Januar statt, unmittelbar vor seiner Inauguration, also seiner Amtseinführung. Deswegen habe ich bei Springer noch mal um vier Wochen verlängert - bis zum 31. Januar, weil ich gesagt habe, das wird meine Abschlussarbeit für die Zeitung und für das Unternehmen, und wir sind dann tatsächlich mit meinem Fotografen Daniel Biskup und einem Kollegen Wilhelm Tell, haben wir uns dann auf den Weg gemacht nach Amerika, nicht wissend ob das nun stattfindet oder nicht. Wir hatten uns im Hotel einquartiert, 59. Straße.

Kai Diekmann: 00:31:17,340 --> 00:33:28,299
Unterhalb des Central Parks, fußläufig zum Trump Tower. Und am Freitag um acht Uhr Ortszeit klingelte es dann in meinem Hotelzimmer, aber nicht mein Handy, sondern die Landline. Es gibt da noch eine Landline. Da war ich schon ein bisschen überrascht, ging dann ran und dachte, jetzt meldet sich jemand und sagt das war jetzt alles nur ein Scherz und vergiss das mal. Dann war aber der Secret Service dran und die wollten nur die Pass Nummern meines Fotograf und mir haben. Damit war klar - it's gonna happen! Und dann sind wir zu Fuß rüber, weil zu dem Zeitpunkt ja rund um den Trump Tower, Fifth Avenue und so weiter alles schon blockiert und abgesperrt war, kamen dann an die erste Sperre, die Herrschaften vom Secret Service wussten Bescheid und wir sind dann zum Trump Tower, in den ersten Aufzug, glaube 26 Stockwerke hoch, mussten dann einmal den Aufzug wechseln, ich meine es war der 27. Stock und kamen dann zu seiner Sekretärin. Die sagte, er wartet schon auf Sie und da standen in seinem Büro. Sehr kleines, überschaubares Büro, vollkommen überfüllt mit Memorabilien und Papieren und Bücher und sonst irgendwas. Und ich hatte eigentlich erwartet einen, möglicherweise nicht so gut gelaunten Donald Trump zu treffen, weil das war die Woche, in der es das erste Mal auch irgendwie Spekulationen zu unschönen Gerüchten aus Russland. Es war die Woche, der er sich am Tag, zwei Tage zuvor, furchtbar in der Konferenz in der Pressekonferenz mit einem Korrespondenten von CNN gestritten hatte und ich habe mich darauf eingestellt, ein sehr gereizten, schlecht gelaunten President Elect zu treffen. Das ganze Gegenteil war der Fall. Dort saß ein sehr entspannter Donald Trump, der dann sich alle Zeit der Welt nahm. Es gab keine Frage, die er ausgelassen hätte. Er hat uns vorher keine Vorschriften gemacht, was wir fragen, was wir nicht fragen, und hat auch hinterher keine Fragen mehr gestellt, was wir davon veröffentlichen und was wir nicht veröffentlichen. Das war übrigens das Interview in dem er zum ersten Mal davon gesprochen hatte, dass zu viele deutsche Luxusautos auf amerikanischen Straßen unterwegs sind. Nebenher anmahnte, dass die Deutschen mehr für die Verteidigung tun müssten und das berühmte Wort von die Nato sei obsolet.

Kai Diekmann: 00:33:29,430 --> 00:33:52,160
Das heißt das Interview an sich hat etliche Schlagzeilen produziert. Sonderseiten in anderen Zeitungen. Aus meiner Sicht bestand der Wert des Interviews vor allem darin, Donald Trump im Wortlaut zu hören. Also zu hören, wie spricht der neugewählte amerikanische Präsident und das war tatsächlich ein Erlebnis im Besonderen.

Fabian Tausch: 00:33:52,930 --> 00:33:57,120
Hast du das neue HBO Interview mit Trump zuletzt gesehen?

Kai Diekmann: 00:33:57,120 --> 00:33:58,890
Ich weiß gar nicht, was jetzt das letzte war?

Fabian Tausch: 00:33:58,900 --> 00:34:13,940
Das letzte ist vor drei Wochen, zwei Wochen rausgekommen, glaube ich. Auf jeden Fall, ich wollte ja fragen, so ist das der Donald Trump, den du vorgefunden hast, oder ist er deutlich gereizter gewesen, aufgrund der ganzen Situation gerade etc.? Wahrscheinlich deutlich gereizter?

Kai Diekmann: 00:34:13,949 --> 00:34:14,739
Deutlich gereizter.

Fabian Tausch: 00:34:15,540 --> 00:34:17,409
Weil er kam sehr aufbrausend rüber und...

Kai Diekmann: 00:34:18,000 --> 00:34:30,690
Nein also, in dem Interview mit uns war er überhaupt nicht aufbrausend. Ganz im Gegenteil. Wie gesagt er hat sich alle Zeit der Welt genommen, jede Frage beantwortet und hatte zu dem Zeitpunkt auch keinen wirklichen Grund besonders aufbrausend zu sein.

Fabian Tausch: 00:34:32,340 --> 00:34:55,350
Außer die potentielle Russland Affäre. Spannend. Du hast gerade gesagt okay, du hast es bis zum 30. 12. geheim gehalten und dann doch noch mal verlängert und dann war das Kapitel Bild vorbei. Wie war der erste Tag, als du offiziell bei Bild raus warst?

Kai Diekmann: 00:34:59,740 --> 00:35:38,928
Das war bei mir ein längerer Vorbereitungsprozess. Also vielleicht muss ich dazu noch erwähnen, dass ich ja die Chance und das Glück hatte für Bild und für Axel Springer ein Jahr in den Silicon Valley zu gehen. Von 2012 bis zu 2013 wurde ich mit zwei Kollegen nach Palo Alto geschickt, ohne einen spezifischen Auftrag, sondern einfach mit der Idee, geht mal dorthin und versucht mal eine Vorstellung davon zu bekommen, was da auf uns zukommt und wie schnell das auf uns zukommt. Und versuch, doch mal ein Stück weit zu gucken, ob ihr an einem Netzwerk partizipieren könnt, ein Netzwerk kreieren könnt. Und das war ehrlicherweise der Moment, wo ich auch meine persönliche des Disruption erfahren habe.

Kai Diekmann: 00:35:39,920 --> 00:36:27,843
Ich habe nicht nur eine klare Vorstellung davon bekommen, was auf uns als Medienmarke zukommt, sondern das war, das war der Entscheidende Moment. Deswegen, ich weiß gar nicht mehr was ich am ersten Tag nach Bild gemacht habe. Ich weiß aber, wie der erste Tag im Silicon Valley war. Ich weiß noch genau, wie ich mit dem geliehenen BMW von Palo Alto nach San Francisco gefahren bin, laut die Musik angemacht habe und anschließend dachte, du hast jetzt einen Termin und danach nichts mehr und du kannst irgendwo Kaffee trinken gehen. Und das war bei Bild natürlich völlig anders. Ich war bei Bild komplett eingetaktet. Da wusste immer ein Team, wo ich bin. Die haben sich großartig alle um mich gekümmert. Das war ein Stück weit auch immer ein goldener Käfig. Ich wurde morgens abgeholt oder abends nach Hause gebracht. Da waren immer Leute um mich herum.

Kai Diekmann: 00:36:29,190 --> 00:37:20,480
Ich hatte nicht einmal eine private E Mail Adresse, sondern wurde von mindestens zwei Mitarbeitern immer mitgelesen. Keine private E Mail Adresse, um zu verhindern, dass auch irgendein Unsinn passiert oder etwas übersehen wird, wie auch immer. Und auf einmal diese Freiheit zu haben, im Auto laut Musik hören zu können und zu wissen gleich weiß kein Mensch, wo du bist, und du kannst dich einfach mal eine Stunde ausklinken, das war so der Moment, wo ich gewusst habe, da war ich ja schon 12 Jahre Chefredakteur von Bild und damit schon längst länger als jeder andere vor mir, du musst da was verändern. Und dann bin ich zurück gekommen und hatte die Chance, nicht wieder in den Maschinenraum zu müssen, sondern habe damit ein Team Bild Digital neu erfunden. Das gemacht, also die Erkenntnisse, die wir dort gewonnen haben, entsprechend umgesetzt und dann wirklich Bild radikal digitalisiert.

Kai Diekmann: 00:37:21,260 --> 00:37:58,950
Das war ein Prozess, der uns wirklich anderthalb Jahre intensivst beschäftigt. Und dann bin ich mit fast dem gleichen Team, mit dem ich im Silicon Valley war, nochmal nach Korea gegangen, nach Südkorea zu Samsung und wir haben dort die App UpDay entwickelt und die dann, ja eine der erfolgreichsten, oder jetzt eine der erfolgreichsten Nachrichten Apps ist vorinstalliert auf den meisten Samsung Geräten. Und das war der Prozess, wo ich dann auch schon lange Mathias Döpfner im Gespräch war, dass ich etwas anderes machen muss. Deswegen ja auch die Entscheidung Ende 2015 Tanit Koch als Chefredakteurin zu berufen und selber ausschließen nur noch den Herausgeber zu machen.

Fabian Tausch: 00:38:00,420 --> 00:38:28,530
Und wie lange hat es gedauert, bis dann Storymashine auf den Plan kam bei dir? Also was ist der Entscheidungsprozess von ok, Ich habe jetzt quasi nennen wir es mal "frei", dir werden trotzdem genug Leute geschrieben haben "hey kannst du dies machen, kann so das machen", aber ich bin nicht mehr klassisch bei Bild, so ich kann jetzt mir überlegen, was ich sonst machen will. Wie kam es, dass dann Storymachine gegründet wurde und du gesagt hast okay, wir erzählen jetzt die Storys von anderen.

Kai Diekmann: 00:38:29,920 --> 00:39:59,128
also, die Idee gab es schon vorher. Das war eine der Ideen, die ich mal bei Bild vorgestellt habe. Tatsächlich war es meine Aufgabe, als Herausgeber von Bild Geschäftsmodelle zu suchen, die für uns als Verlag oder die für Bild interessant sein könnte. Und die Idee zu Story Machine das damals noch nicht so hieß. Die Idee dazu, also ein System für Digital Ghostwriting aufzusetzen. Zu verstehen, was es bedeutet, dass die klassischen Medien Marken nicht mehr an eine diejenigen sind, die darüber entscheiden, wer Zugang zu einem Publikum oder sein Massenpublikum bekommt. Das ist ja das, was passiert ist, als Chefredakteur war ich ja 15 Jahren lang der Agenda Setter, der Schleusenwärter. Ich war derjenige, der darüber entschieden hat, welche Person mit welcher Botschaft stattfindet oder nicht stattfindet. So das ist mit Social Media vorbei gewesen. Das Geschäftsmodell ist schon vorher angegriffen worden, aber an der Stelle mit Social Media wurde uns das Herz aus der Seele gerissen. Ich komme wieder zurück, auf Donald Trump, einer Derjenigen, die es am schnellsten erkannt haben. Ohne Social Media wäre Trump im Zweifelsfall nicht Kandidat der Republikaner geworden, weil die klassischen Medien ihm gar nicht den Raum zur Verfügung gestellt hätten, den er gebraucht hätte, um seine Anhänger anzusprechen. Ihm ist völlig egal, was CNN oder New York Times links und rechts von ihm berichten. Er spricht über Twitter direkt mit seinem Publikum. So und das war die Idee, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Kai Diekmann: 00:40:10,610 --> 00:41:12,104
Das ist in den großen Konzernen immer etwas schwierig, weil man Rücksicht nehmen muss natürlich auf die erfolgreichen Marken, die es schon gibt. Und natürlich ist so was dann natürlich auch eine Gefahr für die Marken, die du hast. Und deshalb entstand irgendwann der Wunsch, das mit Anderen zu machen, und ich hab dann mit Michael Mons, den ich seit vielen, vielen Jahren, über 15 Jahre schon kannte darüber gesprochen, was Eigenes zu machen, schlicht und ergreifend aus dem Gedanken heraus dass er als Gründer schon länger Erfahrung hatte und ich ihn sehr mochte und wir überlegt haben . Machen wir, was zusammen und ich viele Philipp Jessen kannte, der auch mal bei mir im Unternehmen gewesen ist, als glaube ich Show Chef. Er war Chefredakteur Bravo und zu den Zeiten dann Chefredakteur von stern de, den aber auch interessierte, was Eigenes selbständig zu machen. Der auch in seinem Leben schon viel ausprobiert hatte. Und nochmal 31 Jahre Konzern Kind. Es wird dir wirklich jede Sorge abgenommen.

Kai Diekmann: 00:41:13,110 --> 00:41:59,520
Die Art und Weise, wie sich dieser Konzern um dich kümmert, ist fantastisch. Aber du gewöhnst dich wahnsinnig daran. Und da war eben dann schon das Bedürfnis da, sich daraus zu befreien und etwas Eigenes zu riskieren, mit Partnern, denen man vertraut und mit dem man im Zweifelsfall auch wirklich freundschaftlich verbunden ist. Und das waren die beiden Dinge. Das war zum einen Story Machine zum Anderen der Zukunftsfond mit Leonard Fischer, einem meiner ältesten Freunde überhaupt. Und ich bin übrigens in unserer Gründungsphase (beides war ja parallel) immer davon ausgegangen, dass der Zukunftsforscher schneller reüsiert und dass Story Machine ganz, ganz lange brauchen wird und war gar nicht wahnsinnig überzeugt davon am Anfang wie erfolgreich das wird.

Fabian Tausch: 00:41:59,770 --> 00:42:12,581
Tendentiell ist es genau anders herum. Auf LinkedIn stehen 51 bis 200 Mitarbeiter für Story Machine. Ich weiß, ihr sprecht nicht über Kunden und und ihr seid da sehr defensiv und das verstehe ich natürlich auch. Da will ich auch gar nicht hin.

Kai Diekmann: 00:42:17,010 --> 00:42:18,470
Wir machen das gar nicht definsiv sondern wir machen das nach dem Ghostwriter Modell.

Fabian Tausch: 00:42:20,020 --> 00:42:22,610
Ich wollte gerade sagen: dem Ghostwriter Modell entsprechend also.

Kai Diekmann: 00:42:22,620 --> 00:43:01,980
Er stellt sich, wie gesagt, ich kann das nur wiederholen. Der Ghostwriter von Angela Merkel, den sie völlig zu Recht und legitimerweise hat. Sie kann ja nicht alle ihre Reden selber schreiben, stellt sich nicht auf die Bühne, nachdem sie in Harvard so großartig gefeiert wird und "Das war meine Rede." sondern hält sich im Hintergrund. Wir sind Dienstleister, und das ist etwas, was uns von anderen unterscheidet. Ich will auch keine Preise in Cannes oder sonst irgendetwas gewinnen, wenn wir Kampagnen kriegen, wenn wir Ideen haben. Wir sind Dienstleister für den Kunden. Deswegen, wie gesagt, habe ich kein Problem damit wenn Kunden über uns reden. Sowie Sixt die Tage mitgeteilt hat, dass wir für sie einen Fernseh Spot produziert haben. Aber wir von uns aus tun das nicht.

Fabian Tausch: 00:43:04,200 --> 00:43:25,290
Wie seid ihr so schnell gewachsen? Was? Warum kommen die Kunden genau zurück? Weil ich sag mal so, wenn ich jetzt davon ausgehe, dass die meisten meiner Hörer ziemlich jung sind. Ich glaube unter Ghostwriting kann mann sich schon was vorstellen. Aber was umfasst heutzutage ein digitales Ghostwriting eigentlich alles? Was sind die Dinge, die ihr den Kunden liefert?

Kai Diekmann: 00:43:25,540 --> 00:44:50,810
Zunächst einmal, glaube ich, geht es darum, den Kunden zu vermitteln, was sich in der Kommunikation verändert hat. Wie erreiche ich heute Menschen. Das ist das Allerwichtigste, ist dieser Paradigmenwechsel in der in der Kommunikation. Wenn ich mir angucke, den dramatischen Abschluss der Zeitungs Auflagen in Deutschland. Deutschland war immer ein Paradies für gedruckte Zeitung gewesen. Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Auflage von über Gesamtauflage einer deutschen Tagezeitung von über 28 Millionen auf glaube ich aktuell nur 14 Millionen zusammen gebrochen. Gleichzeitig sind über 40 millionen Deutsche auf den sozialen Medien unterwegs, davon allein über 30 auf Facebook, von diesen 30 über 23 daily active. Das ist natürlich Äpfel mit Birnen zu vergleichen, aber nicht die Zahl der verkauften Zeitungen mit sozialen Netzwerken vergleichen. Aber es zeigt ihnen, welchen Trend wir sehen. Wenn man das Generations-übergreifend noch runterbricht, dann wird das Bild noch viel dramatischer. Der meistgesehene deutsche Fernsehsender ist nach wie vor das ZDF. Schätzt mal, wie hoch der Anteil der Zuschauer unter 20 ist? 5 %? 0,8 % allerdings nur wenn du live Fußball mit reinrechnest. Wenn du Live Fußball raus rechnest welches ist der Anteil der Zuschauer unter 20? Nicht mehr messbar. Der Anteil der Zuschauer unter 30 beim ZDF sind 3 %.

Kai Diekmann: 00:44:51,670 --> 00:46:22,790
Das zeigt, was für für ein Paradigmen Wechsel stattgefunden hat. Aber völlig logisch. Meine Kinder, die mit Apple TV und Netflix aufwachsen, die können sich nicht mehr vorstellen, warum den lineares Fernsehen sinnvoll sein sollte, warum ich gezwungen sein sollte, zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Inhalte abzurufen. Das heißt wir reden, da wir inzwischen über fast zwei Generationen die Milenials und die Z Generation . Die Milenials werden dieses Jahr 40 Jahre alt, die ich nicht mehr über lienares Fernsehen oder Printprodukte erreiche. Sondern die ich nur noch erreiche, indem ich auf Social Media kommuniziere. Dabei ist es ganz gleich, ob ich als Unternehmen diese Generation erreichen will mit Dienstleistung mit einem Produkt oder aber eine der wichtigsten Fragen überhaupt als künftiger Arbeitgeber. Wir haben eine falsche Demographie . Es sind nicht diese gesunde Tannen sondern umgekehrt. Wie ich vorhin schon erwähnte, gibt zu viel von meiner Sorte. Wenn du heute Manager befragst, kann dir jeder beantworten, was ist für Sie die größte Herausforderung der Zukunft überhaupt ist. Talente . Das wichtigste ist nicht die Klimakatastrophe, sondern es ist der Kampf um Talent, es ist der Kampf um Fachkräfte und da steht jeder mit jedem in Konkurrenz. Als ich Abitur gemacht habe, 1983, Opa erzählt wieder vom Krieg. Und da hat die Deutsche Bank gesagt: " Wir haben hier zehn Ausbildungsplätze." Da haben sich lange Schlangen gebildet.

Fabian Tausch: 00:46:23,280 --> 00:46:24,370
Tausende Leute beworben.

Kai Diekmann: 00:46:24,370 --> 00:47:06,920
Um den Block gebildet. Interessiert heute keine Sau mehr. Und wenn die Deutsche Bank nicht unterwegs ist in den sozialen Medien und als attraktiver Arbeitgeber sich dort präsentiert. Also dort ist das Publikum, dann finden die in der Wahrnehmung, in der Realität nicht statt, weil auch das gehört in den Paradigmenwechsel in der, in der Kommunikation. Ich habe noch gelernt, Informationen zu suchen Informationen zu identifizieren. Ein Zeitungsleser kommt ja nicht auf die Idee, eine Zeitung von links oben nach rechts unten jede Seite komplett zu lesen umzudrehen, das von der FAZ, bis zur RED vorn bis zur letzten Seite zu machen. Sondern ich kann die Informationen identifizieren, die für mich relevant, spannend und unterhaltsam sind lesen.

Kai Diekmann: 00:47:07,560 --> 00:47:51,290
Der durchschnittliche Zeitungsleser holt sich etwa 10 % des Inhaltes einer Zeitung. Wenn ich medial zivilisiert werde auf den Plattformen, dann lerne ich das hier nicht mehr anhand pull Informationen zu suchen, was bei Google einzugeben, sondern der Newsfeed entscheidet darüber, was ich anhand bestimmter Merkmale das, was ich sehe, in meinem Newsfeed, das relevant für mich, das, was ich nicht sehe, ist logischerweise deshalb einfach irrelevant und wird von mir auch nicht gesucht. Was für mich wichtig ist, muss mich finden, wenn es mich nicht findet forget it. Und das bringt all diese Unternehmen vor die Herausforderung, auf diesen Plattformen mit attraktiven Inhalten vertreten zu sein.

Kai Diekmann: 00:47:51,880 --> 00:48:53,080
So und kommunikation in diesen Netzwerken auf diese Plattform ist was völlig anderes als Corporate Communications oder Marketing was diese großen Firmen alle können. Das ist eine ganz besondere neue Form der Kommunikation auf Augenhöhe also Facebook oder Tik Tok oder Twitter oder YouTube, ist eben nicht die verlängerte Werkbank der von Corporate Communications. Es geht nicht darum zu senden, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe anzufange. Es geht ganz viel um faktisches Storytelling und da war der Grundgedanke ganz einfach: Wer kann faktisches Storytelling am Besten? Natürlich Journalisten und das ist der Grundgedanke bei der Gründung von Story Machine gewesen. Wir bauen diesen news room der in der Lage, ist für Marken für Leute auf den richtigen Plattform je nach ihrem Kommunikations Bedürfnis was ist ihr Ziel, die entsprechenden Inhalte zu produzieren und aufzubereiten und dann eben auch auszuspielen.

Fabian Tausch: 00:48:53,570 --> 00:49:34,830
Ich finde sogar, dass eure Webseite genau zwei Buttons hat, abgesehen von dem Impressum und Datenschutz und so ein Kram und Social Profilen. Ich will für euch arbeiten oder ich will mit euch arbeiten und am Ende kommt man nur darauf, eine E Mail zu schreiben und quasi das heißt, dass man sich wirklich nur Leute, die es richtig ernst meinen. Würdest du sagen also etwa in eurem Fall etwas wie eine Webseite braucht es einfach nicht und man muss sich gar nicht mehr so sehr um eine Webseite kümmern, sondern vielmehr um Social Themen. Oder ist es nur in eurem Fall, weil über Reputation und Word of Mouth weiterempfohlen werdet oder woher kommt das? So eine Entscheidung zu sagen: Unsere Webseite kann genau zwei Dinge entweder man will für uns arbeiten oder man will mit uns arbeiten.

Kai Diekmann: 00:49:34,970 --> 00:50:20,327
Wie ich schon gesagt habe, wir brauchen keine Webseite, auf der wir irgendwelche Referenzen stellen. Und wie toll das alles ist. Wir legen keinen Wert auf Referenzen, sondern für uns ist wichtig, die Word of Mouth ist wichtig eine hohe Kundenzufriedenheit. Es sind dann meisten ehrlicherweise haben ja auch den einen oder anderen DAX Konzern als Kunden. Der kommt dann meistens mit einem Krisen Case rein. Und mit dem Grad der Kunden Zufriedenheit wächst dann auch der Grad der Beauftragung, auch in anderen Feldern, wie ich gesagt habe: Du kannst, es geht von HR bis Produkt,

Kai Diekmann: 00:50:24,130 --> 00:51:39,650
Es wird immer wichtiger, dass Unternehmen sichtbar geführt werden und Unternehmen auch ihr Geschäftsmodell in der Öffentlichkeit rechtfertigen, weil wenn sie das nicht tun wird ihr Geschäftsmodell in Frage gestellt. Und im Zweifelsfall wird Unternehmen auch die Betriebserlaubnis für ihr Geschäftsmodell entzogen, wie beispielsweise die Energieversorger erfahren haben müssen als von heute auf morgen beschlossen worden ist, Kernkraftwerke schalten wir ab. Wie die Autokonzerne erfahren müssen, dass in die Flocken Politik nicht mehr allein in den Vorstands Etagen der Autobauer entschieden wird, sondern das Klima Vorgaben gemacht werden und dass das natürlich sofort einen Einfluss hat auf die auf die Art und Weise wie Autos gebaut werden. Guck dir die großen Wohnungskonzerne an, die frag mal da draußen, ob jemand weiß, wer der Vorstandschef von Deutsche Wohnen ist, was sie eigentlich machen. Und deswegen ist auch ein ganz wichtiges Thema diese Art der Kommunikation, um einen von vielen Fällen zu nennen und da unterstützen wir, da helfen wir und da ist eben auch tatsächlich in Journalistischer Ansatz da Ich sag dir ein Beispiel: Wir hatten einen großen Konzern, der ist Marktführer in Afrika.

Kai Diekmann: 00:51:40,860 --> 00:52:33,550
Und die haben festgestellt, dass sie ihrem Vorstand eine junge Frau haben, die sich perfekt als Role Model für die Mitarbeiter nach innen und nach außen ereignet. Junge Frau aus Afrika hat in Harvard studiert, ist zurückgegangen. Und dann auch noch alleinerziehende Mutter trotzdem jetzt im Vorstand. Was für eine Geschichte! So dan schickst du ein Team runter nach Afrika und begleitet sie zehn Tage und produzierst Inhalte. Und vor 15 Jahren wäre das, weiß ich nicht, wären das drei Seiten im Stern gewesen. Heute sind das drei Monate, die du auf Instagram veröffentlicht kannst. Jeden Tag nur vier Sätze. Und du erzählst die Geschichte etwas anders. Aber es ist im Kern ist der journalistische Ansatz der Gleiche und der Effekt für das Unternehmen ist, dass sie ihn nach innen zeigen. Guck mal, wer sind eigentlich die Führungsfiguren, die bei uns eine Rolle spielen? Und nach außen zeigst du dich als verdammt cooles Unternehmen.

Fabian Tausch: 00:52:35,850 --> 00:52:42,470
Also viel, viel mehr. Wenn ich jetzt überlege. So, ich meine mal so: Die meisten, die zuhören, werden euch nicht beauftragen.

Kai Diekmann: 00:52:45,580 --> 00:54:32,039
Ich bin fest davon überzeugt aus meiner eigenen Historie über den Erfolg oder nicht Erfolg eines Unternehmens entscheidet, ganz entscheidend am Ende die 10 %, die die Mitarbeiter für dich, für dich in der verantwortungsvollen Führung mehr gehen. Für dich durchs Feuer gehen, ob sie für dich nach den Sternen greifen und diese 10 %, die kriegst du nicht indem du irgendwelche Fantasie Positionen in der Hierarchie verteilst, oder mehr Geld gibst, sondern in dem du die Vision hast und eine glaubwürdige Führung vorlebst. Und wenn du jetzt Konzernchef bist, eines Unternehmens mit 300 oder 400.000 Mitarbeitern, ist es ganz schwierig für den Einzelnen erreichbar zu sein. Ganz schwierig für den Einzelnen erfahrbar zu sein. Dafür ist so Social Media wie gemacht, also jemanden, für den wir nicht tätig sind ist Joe Kaiser von Siemens. Und der nennt sich beispielsweise auf seinem Twitter Account nicht: Ich bin nicht CEO von Siemens, sondern "I am one from 380.000 dedicated Employees. Wie cool! Guck mal, wenn der den Tweet eines Mitarbeiters, den er nicht kennt retweeted, oder die kommentiert. Was für ein cooles Signal ist es nach innen, was die Erreichbarkeit angeht und auch was für ein gutes Signal nach außen, weil es so viel aussagt über die Unternehmenskultur in einem hierachischen Unternehmen wie Siemens. Und das ist die riesige Chance, die du heute mit Social Media hast. Und da kommt mir ein anderer Gedanken. Selbst wenn du damit nichts zu tun haben willst. Jetzt musst du aber zur Kenntnis nehmen, dass sich so schlimm auch für dich die Welt verändert hat, weil ein Einzelner heute in der Lage ist, ein Unternehmen, eine Partei oder eine Organisation zu zerstören.

Kai Diekmann: 00:54:39,840 --> 00:55:44,850
Was in der Alten Welt so nicht möglich gewesen wäre. Wenn ein unzufriedener Lufthansa Passagier den Gang durch die mediale Institutionen vor 30 Jahren angetreten ist, war die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwann im Büro des Bild Chefredakteurs aufploppt und auch noch Bild Schlagzeile wird, relativ überschaubar. Heute kann ein Einzelner unzufriedener Passagier einen Unternehmenswert zerstören. Denk an das Video von United Airlines, was viral gegangen ist, wo ein Passagier von Sicherheitskräften raus gezerrt wird. Das ist viral gegangen und hat den Börsenwert von United Airlines um eine Milliarde runter gebügelt. Und der CEO musste gehen. Oder denk an Rezo. Kurz vor der Europawahl das Video "Zerstörung der CDU" ist bis heute das meiste geschaute YouTube Video aller Zeiten in Deutschland und die CDU hat seinerzeit reagiert auf ein Ereignis in der digitalen Welt mit dem Handbuch für analoge Kommunikation. Das musste schief gehen und ist schief gegangen.

Kai Diekmann: 00:55:45,440 --> 00:56:13,260
Die CDU hat gelernt . Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast wie das war, als es den Angriff von Greenpeace gab. Dort hat die CDU digital reagiert und hervorragend reagiert. Rezo, war eine Katastrophe. Daraus haben sie gelernt, (ich weiss nicht ob du es mitbekommen hast) kurz vor dem Leipziger Parteitag haben Aktivisten von Greenpeace hier einer CDU Hauptgeschäftsstelle das C das Große geklaut und sind damit verschwunden.

Fabian Tausch: 00:56:13,590 --> 00:56:16,060
Ah doch das habe ich sogar irgendwo mal gelesen. Selbst ich hab das irgendwo mitbekommen.

Kai Diekmann: 00:56:16,060 --> 00:57:23,500
Genau selbst du hast es gelesen und dann tauchten dann auf einmal in Social Media hier auf mit dem Slogan: "Ich bin das C und ich fühle mich mit dir nicht mehr wohl." Plan war, damit ein Jahr durchs Land ziehen vom Hambacher Forst bis und überall dort wo es der CDU wehtut. Viertel Stunde später war die CDU ebenfalls online. Mit der Line: "Ich bin das Du und ich nehme den Seitensprung nicht übel. Den Anderen tust du auch mal ganz gut, aber heute Abend bist du wieder zu Hause. Am Abend des gleichen Tages twitterte Jan Böhmermann, der eine gewisse Referenzgröße in dem Feld ist: What a time to be alive! CDU CDU schlägt Greenpeace." Nach zwei Tagen haben die Greenpeace aufgegeben, das C wieder abgeliefert und auch in den klassischen Medien wurde die CDU für diese Aktion überall gefeiert. Gelernt, auf eine digitale Aktion musst du in der digitalen Welt auch digital reagieren. Deswegen ist es so wichtig, deswegen muss ich mich mit Social Media ja auseinandersetzen, weil es eben tatsächlich auch für mein Unternehmen, für meine Organisation im Zweifelsfall ein Risiko darstellen.

Fabian Tausch: 00:57:25,410 --> 00:58:33,940
Also eine Sache muss ich sagen. Du bist ein verdammt guter Story teller. Das weißt du selber und das ist natürlich auch ein Grund, warum du sehr lange an der Spitze von Bild warst. Das Problem daran: Ich muss einmal weitergehen zum letzten Thema, dass ich dich noch fragen wollte. Im anbetracht der Zeit. Sonst sitzen wir hier zwei Stunden und D S eins wartet noch länger auf dich. Eine Sache, die ich einfach fragen muss, weil du jemand bist, wenn man man sich mit anderen Leuten unterhält und sagt: " Ey, ich spreche demnächst mit mit Kai Dickmann oder das Thema kam immer mal wieder auf. Es kam irgendwie immer mal wieder auf, dann hört man: " Boah, der kennt Gott und die Welt und der ist immer irgendwie relevant und er hat den kennengelernt und und den kennen gelernt und da. Und wenn man über dich liest, dann merkt man auch, dass du es geschafft hast mit sehr vielen Menschen dich sehr gut zu verstehen und sehr relevante und und authentische Beziehungen aufzubauen und nicht so dieses klassische : Ich hab jemanden mal irgendwo, wer weiß wie kennengelernt und den Versuch, das Meiste für mich daraus zu holen. Sondern es scheint schon sehr als ob du jemand bist, der doch sehr gut drin ist mit Menschen umzugehen und ich finds einfach super spannend.

Fabian Tausch: 00:58:35,380 --> 00:59:29,440
So eine Frage, die irgendwie eine gewisse kalkulierte Art unterstellen würde, was es gar nicht meinen soll. Aber was ist dir wichtig? Wenn du oder wie baust du Beziehungen auf? Also dieses Klassische wie netzwerkst du? Aber darauf bezogen aus deiner Erfahrung was sind die Dinge, die für dich am Besten funktioniert haben um dich mit Menschen zu verständigen, die teilweise in Anführungszeichen vielleicht nicht in deiner Flughöhe waren oder vielleicht auch als junge Person bewusst ja Leute kennen gelernt haben, zu deM größten Zeitpunkt, mit denen du wie zum Beispiel mit einem Herrn Döpfner sehr lange Beziehungen gepflegt hast und dich mit ihm gut verstanden hast und als er dann Zeitungs Vorstand war dich zu Bild geholt bzw als er Hauptvorstand war dich als bild Chefredakteur. Wie stellst du das an?

Kai Diekmann: 00:59:30,710 --> 01:00:34,230
Du hast eben selber ein wichtiges Stichwort : du musst authentisch sein. Also Beziehungen um der Beziehung willen pflegen, weil du irgendwie darauf spekuliert, dass dir mal ein Kontakt nützlich ist. Das bringt gar nichts. Mir war immer wichtig in meinem Verhältnis zu wem auch immer ohne vorher zu wissen, ob daraus eine Beziehung entsteht und nicht eine gewisse Verlässlichkeit, gewisses Vertrauen und vor allem Berechenbarkeit, Berechenbarkeit auch dahin, dass ich auch vielen eine Schlagzeile nicht ersparen konnte ich sie aber beispielsweise vorher darüber informiert haben, dass diese Schlagzeile kommt. So war das mit Margot Käsmann. So war das mit Horst Seehofer, die ich, obwohl ich die beiden kannte, darüber informiert habe, was da kommt. Und dass das auch etwas ist, was Bild machen muss. Ich glaube, wenn du an dieser Stelle einen Gesprächspartner hast wo das Gegenüber die Ahnung hat, dem kann ich vertrauen.

Kai Diekmann: 01:00:34,810 --> 01:01:24,200
Der steht zu dem, was er sagt, auch wenn das möglicherweise für mich nicht gut ausgeht, aber der laviert nicht rum, der ist ehrlich, dann ist das schon mal eine gute Voraussetzung, um eine Basis zu schaffen, auf der man sich dann auch vernünftig austauschen kann, auf der man sich auch mit unter sehr offen austauscht, obwohl man auf völlig gegenseitigen Seiten steht. Es hat Presse Anwälte gegeben. Presse Anwälte gegeben, mit denen ich mich vor Gericht auf das Härteste und nicht nur vor Gericht, sondern auch in öffentlichen Auseinandersetzungen ist. Aber beim Case Berichterstattung habe ich mich beispielsweise auf das Härteste gefetzt und gestritten habe.

Kai Diekmann: 01:01:24,840 --> 01:02:11,510
Gleichzeitig habe ich beispielsweise auch Freunden oder Leuten wohl, ich wusste, die kommen in Berichterstattung, auch vor, genau diese Anwälte empfohlen. Weil ich wusste, der kann seinen Handwerk, das kann er. Dazu gehört auch, dass ich mich mitunter auch an Leuten festgehalten habe, wenn sie sehr offensichtlich Fehler gemacht hatten, und zu Recht in die Kritik gekommen sind. Und ich beiseite gestanden habe, auch wenn wir das dann in der öffentlichen Meinung nicht immer nur gut bekommen ist und vielleicht journalistisch manchmal nicht nur klug gewesen ist, war es doch bei mir immer so, dass ich versucht habe, tatsächlich, und das war dein Stichwort, vorhin authentisch zu sein.

Kai Diekmann: 01:02:13,060 --> 01:03:28,490
Ich bin auch nicht in den Verlag gegangen morgens und hab meinen privaten Hut abgesetzt und den Bild Hut aufgesetzt und hab den Abends an den Nagel gehängt. Sondern das war für mich nicht nur ein Job. So was war eine Berufung. Das war eine Verantwortung. Das war immer mein Versuch, es wirklich ernst und anzunehmen. Und da glaube ich, hatten viele Gesprächspartner tatsächlich auch den Eindruck ( Ich versuche sie auch zu übervorteilen.) Ich versuche sie nicht in was rein zu quatschen was ihnen am Ende schadet. Es gab auch Dinge, wo ich zu meinem eigenen Nachteil gesagt habe : "Mach das lieber nicht mit uns aus den und den Gründen. Das bekommt dir an dieser Stelle nicht gut. Mach es an dieser Stelle nicht mit uns. Und die Ehrlichkeit führt dazu, authentisch ehrlich, verlässlich, berechenbar zu verlässlich, irgendwas auch in der Kommunikation zuverlässig. Das bedeutet, dass von mir auch Leute immer eine Antwort bekommen haben, auch auch wenn die Nein war, aber zumindest habe ich Leute nicht hängen lassen, sondern immer eine klare Ansage bekommen, was geht und was nicht geht.

Fabian Tausch: 01:03:28,540 --> 01:03:44,120
Selbst im Kleinen. Wir sitzen ja auch hier, weil du auf eine Mail geantwortet hast nee, schaff ich nicht und da habe ich nachgefragt "Hey, wie wärs mit nem podcast interview? Ist ein bisschen weniger zeitaufwendig wäre. Und deswegen sitzen wir hier. Aber weil du geantwortet hast und es nicht einfach durchlaufen lassen hast. Es zieht sich ja durch.

Kai Diekmann: 01:03:44,570 --> 01:04:16,360
Einer der Gründe, warum ich in keine private E Mail hatte, sondern weil es mir ganz wichtig, war, dass mir nichts durch rutscht und ich nicht nicht reagiere. Wenn es Anfragen gibt. Ich hab schon ganze Zeit geschafft, dass wir tatsächlich auch fast jeden Leserbrief der an mich gerichtet war, auch persönlich beantwortet haben. Und das ist, glaube ich etwas da gelingt es dann auch mit Hinwendung und Zuwendungen und dann auch ein entsprechendes Netzwerk auf zu bauen. Nicht immer.

Fabian Tausch: 01:04:16,650 --> 01:04:19,090
Es gibt auch Dinge, die Enttäuschungen produzieren, oder?

Kai Diekmann: 01:04:19,090 --> 01:04:29,380
Man muss auch mitunter Enttäuschungen produzieren über die der Andere hinbekommt . Das sind dann auch Dinge, die man respektieren und akzeptiert.

Fabian Tausch: 01:04:29,920 --> 01:05:14,596
Also unterschwellig angedeutet, das ist auf jeden Fall Loyalität und auch den Respekt zu zollen wenn du siehst, jemand anders macht gute Arbeit, auch wenn die vielleicht in dem Moment gegen dich gerichtet war. Wenn du mir so was sagst, wie du stehst im Gericht gegenüber von diesem Presse-Anwalt und dass du dann trotzdem demjenigen gegenüber auch trotzdem hin gehst, wenn diese Sache gerade nicht stattfindet, dem mal zu sagen: "Hey, geh mal zu dem hin, ich weiß auch wenn es ab und mal gegen mich passiert. Der kann das. Also auch so etwas wie den, Respekt und irgendwie so dieses, ich sag mal, Trennen von ok, wir verhandeln, wir müssen gerade zu diskutieren, aber trotzdem schätze ich dich als Person. Also diese Dinge nicht immer zu persönlich zu nehmen, sondern halt auch einfach ehrlich zu sagen: "Hey, ich respektiere was du machst, ich schätze, was du machst, auch wenn ich manchmal nicht mit dir einer Meinung sein kann."

Kai Diekmann: 01:05:18,300 --> 01:05:49,340
Ja selbstverständlich, dazu gehört auch die Fähigkeit, sich im Zweifelsfall zu entschuldigen, wenn wir Mist gebaut haben. Also ich habe es jetzt vorhin schon mal gesagt. Ich glaube nicht, dass die Bild mehr Fehler macht als andere Medien, aber wie gesagt, sie sind bei uns besonders auffällig und deswegen auch nachhaltig. Und das war auch etwas, was ich getan habe, dass ich,

Fabian Tausch: 01:05:50,070 --> 01:06:11,772
Eine Frage noch zu dem zu dem Netzwerk Thema: Hattest du das Gefühl während deiner Bild Zeit, dass Leute also auch irgendwie manche Sache einfach nicht erzählt haben, weil sie wussten, dass du der Bild Chef bist und Angst hatten, dass das in der Zeitung landet? Oder hast du dann trotzdem mal bei Gesprächen einfach den Bild Hut abgesetzt und dann eher auf der Confidential Ebene geredet?

Kai Diekmann: 01:06:13,950 --> 01:06:41,533
Es gibt immer und das gilt für alle Journalisten, nicht nur für den Bild Chef gibt es ja verschiedene Ebenen der Kommunikation wie ich mit jemandem rede. Also wenn ich mit einem Politiker rede, da gibt es ja diese drei ganz offiziellen Kategorie. Ich rede mit einem Politiker unter eins, das heißt, ich darf ihn zitieren und ich kann ihn dafür mit Namen zitieren, die Information ihnen zuordnen. Ein Politiker sagt zu mir: "Ich rede unter zwei." Das bedeutet, ich darf die Informationen benutzen,

Fabian Tausch: 01:06:43,740 --> 01:06:44,750
aber ihn nicht zitieren.

Kai Diekmann: 01:06:44,760 --> 01:08:11,927
Aber ihn nicht zitieren. Oder wir reden unter drei. Das heißt, mir wird ein Sachverhalt erläutert, damit ich insgesamt ihn besser einordnen kann, aber kann ihn zum jetzigen Zeitpunkt, darf ich ihn hier nicht nutzen und auch nicht veröffentlichen. Das ist ein ungeschriebenes Regelwerk, an das wir uns alle handeln. Das bringt durchaus die Möglichkeit zu einer vertraulichen Kommunikation, dich ich auch für ganz wichtig halte. Und man kann sich ja eine der vielen Situationen vorstellen. So eine ganz blöde Situation, die jeder nachvollziehen kann. Etwa wenn es um Entführungen von Deutschen im Ausland geht, dann ist es manchmal ganz wichtig, dass man dort nicht sofort berichtet, weil das die Situation für den im Ausland nur noch schwieriger macht. Das man normalerweise nicht berichtet, ob es Geldzahlungen der Bundesregierung gegeben hat, weil damit jeder, der im Ausland ist, zu den prallgefüllten Portman wird, was ich mir nur von der Straße klauen muss, um dann für den Rest des Lebens ausgesorgt zu haben. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Regelung, dass, wenn ich weiß, die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident fliegt nach Afghanistan, um deutsche Truppen dort zu besuchen. Ich erst dann berichte, wenn ich weiß der Betreffende ist wieder in der Luft auf dem Heimweg, weil ich es sonst einfach das Sicherheitsrisiko viel zu groß mache und der Besuch abgesagt werden kann. Auch das wird natürlich zur eigenen Verantwortung zu wissen, wie gehe ich mit gegebenen Informationen um.

Fabian Tausch: 01:08:15,230 --> 01:08:37,490
Gut, das könnte ich zum Beispiel nicht. Deswegen super spannende Erläuterung am Ende nochmal fürs fürs Verständnis: Ich habe eine letzte Frage also ich hätte wahrscheinlich noch 1000 Fragen, aber in Anbetracht der Zeit und aus dem Grund, dass es langsam warm wird. Das war schon länger so aber um das Ganze mal zu einem Schluss zu bringen, welches Buch hast du am öftesten verschenkt?

Kai Diekmann: 01:08:39,670 --> 01:10:35,331
Das ist jetzt eine ganz blöde Antwort von mir, oder es klingt nach einer blöden Antwort, aber ich habe die Zeit der Wende als Journalist sehr bewusst miterlebt. Dazu muss man wissen Ich bin selbst 88 hier in Ost Berlin bei Zionskirche bei der Zionskirche dabei gewesen. Und ich habe Bürgerrechtler begleitet, habe mit deren Wissen und Wollen deren Filme nach draußen gebracht und dann auch veröffentlicht. Was vor sich gegangen ist in der Zionskirche. Was passiert ist. Ich habe dann selber ein Einreiseverbot bekommen und der Bürgerrechtler mit dem ich auf der anderen Seite zusammengearbeitet habe, Ralf Hirsch, ist irgendwann auch verhaftet worden und dann abgeschoben worden. Das heißt, dieses ganze Thema Wiedervereinigung war immer ein Thema, was mich wahnsinnig interessiert hat. Als die Mauer fiel, war ich selbst am falschesten Ort der Welt. Ich habe nichts mitbekommen. Ich war nämlich in Moskau. Und im November 89 in Moskau war es nicht so, das mich da jemand auf dem Handy angerufen hätte. Sondern ich habe 48 Stunden nichts mitbekommen können, aber irgendwie dann über CNN doch noch auf einmal gesehen. Und ich dachte mir, das kann alles nicht wahr sein. Und dann über meine Bekanntschaft zu Helmut Kohl später, dem ich auch auf sehr vielen Reisen sehr, sehr nahe gekommen bin, da wir sehr viel Zeit verbracht haben. Der hat mir häufig dann in diesem einen 91, 92, 93, 94 wahnsinnig viel aus der Zeit der Einheit berichtet hat, immer mit dem Zusatz: "Das darfst du aber nicht schreiben!" Ich habe es auch nicht geschrieben, natürlich alles aufgeschrieben. Und mit der Zeit habe ich verstanden,

Kai Diekmann: 01:10:41,360 --> 01:11:34,870
Und dass dieses Fenster, dieses "Window of opportunity" zur deutschen Einheit tatsächlich nur ein gewisses Zeit lang wirklich offen war und Helmut Kohl im wahrsten Sinn des Wortes diese Gelegenheit ergriffen hat und es viele Gründe gab, warum ihm das gelungen ist und es anderen nicht gelungen wäre. Aber allein zu verstehen, wie tatsächlich Menschen Geschichte machen und nicht Geschichte zwangsläufig passiert. Das war die Erzählung von Helmut Kohl. Und ich habe ihn irgendwann überredet, daraus ein Buch zu machen. Damit er die Interpretationshoheit über diese wichtigen Monate zwischen dem Fall der Mauer oder dem Sommer 89. Denn es hat ja, ehrlicherweise mit dem Besuch Gorbatschows am Rhein die Geschichte begonnen. Das Vertrauen, was die beiden zueinander gefasst haben. Es ging unglaublich viel um Vertrauen.

Kai Diekmann: 01:11:36,550 --> 01:12:40,538
Es gibt eine Szene, das ist für mich die Schlüsselszene. Als die Mauer gefallen war und Helmut Kohl mit einem Tag Verspätung aus Polen hier erst eintrifft und dann zusammen mit Willy Brand auf dem Balkon des Schöneberger Rathaus steht. Vor den Kameras der Weltöffentlichkeit aber unten ein grölender, linker Mob steht, der ihn ausbuht. In diesem Moment bekommt er einen Anruf und es ist Gorbatschow. Er möchte ihn dringend sprechen. Kohl steht auf dem Balkon und sagt: "Ich kann hier nicht weg. Wenn ich jetzt hier weg gehe, sieht es aus, als würde ich weichen." Was will Gorbatschow? Die Nachricht war: Gorbatschow bekommt Berichte, dass die Ostdeutschen dabei sein, die sowjetischen Kaserne zu stürmen und er steht vor der Frage: Gibt er den Befehl zum Ausrücken oder nicht? Also Kräfte des KGB hatten Gorbatschow dazu verleiten wollen, ein Blutbad anzurichten und damit den Prozess zu unterbrechen. Und Helmut Kohl lässt ihm ausrichten: "Er hat mein Wort. Es geht um ein Fest des Wiedersehens und nicht um ein Tag der Rache.

Kai Diekmann: 01:12:46,150 --> 01:13:30,790
Gorbatschow hat dem vertraut, deswegen hat es eben keinen Platz des himmlischen Friedens mit entsprechenden Blutvergießem gegeben. Und das ist einer dieser Schlüssel-Momente, in denen sich Geschichte entscheidet. Das alles haben wir in einem Buch gegossen. Das ist nicht mein Buch. Es ist sein Buch, weil wir darauf verzichtet haben eine Bewertung abzugeben, sondern einfach ihn haben erzählen lassen. Und tatsächlich ist es wahrscheinlich dieses Buch, was ich am meisten verschenkt habe, weil ich danach gefragt worden bin und es etwas ist, wo ich heute noch sagen kann: "Wenn man den Prozess der Einheit in seiner dichtesten Form wirklich verstehen will, dann ist es eines dieser Bücher, in denen es Helmut Kohl sehr dicht und sehr anschaulich erzählt."

Fabian Tausch: 01:13:33,350 --> 01:13:47,010
Also ich bin tatsächlich nicht so nicht nicht so Geschichts-interessiert, aber hast das wieder mal extrem gut rübergebracht, was daran so spannend ist. Wie heißt das Buch?

Kai Diekmann: 01:13:47,010 --> 01:14:14,930
Das Buch heisst "Helmut Kohl - Ich wollte Deutschlands Einheit". Das war dann auch über 25 Wochen Bestseller mit 13 oder 14 Übersetzungen. Er hat sich auch später in seinen eigenen Memoiren immer wieder auf dieses Buch bezogen. Das war aber einfach. Das war, das war das war seine dichte Schilderung. Das waren die vielen Gespräche, die wir miteinander geführt haben. Das war einfach seine dichte Schilderung und seine Erinnerung an die Abläufe, wie das gewesen ist.

Fabian Tausch: 01:14:15,430 --> 01:15:20,950
Verlinke ich auf jeden Fall in der Beschreibung, finde ich sehr spannend. Und wenn ich dich danach fragen würde, welches Buch du (und ich finds nicht eitel ich glaube, gerade mit der Back-Story ist es keine eitle Antwort, auch wenn du da sehr viel mitgewirkt hast und das verschriftlich hast. Das ist ja ist trotzdem ein sehr großer Bezug, den du dazu hast.) Dementsprechend finde ich nicht, dass das etwas mit Eitelkeit zu tun hat, sondern wahrscheinlich doch eine sehr große Bedeutung für dich hat, gerade im Anbetracht auch der Freundschaft mit Helmut Kohl. Dementsprechend glaube ich, dass hat nichts mit Eitelkeit, sondern wieder mit den Themen Authentizität, Loyalität, etcetera zu tun. Also ich glaube man kommt dann schon wieder auf deine und seine Grundprinzipien zurück und deine Werte, die du auch wahrscheinlich stark auch immer wieder immer wieder da gelebt hast und gesagt hast diese Buch bedeutet mir viel. Dadurch verschenkst du es oder auch weil du danach gefragt wurdest. Deswegen Eitelkeit ist deshalb schon was Anderes. Die Frage anders gestellt : Welches Buch hast du am Öftersten empfohlen?

Kai Diekmann: 01:15:22,940 --> 01:15:59,493
Ein Buch, was mich geprägt hat, was ich ganz großartig finde, ist Jack Kerouag "On the Road". Warum? Weil es ganz viel mit Freiheit zu zu tun hat, ganz viel mit Suche zu tun hat, weil es mich an die Schullektüre von Catcher in the Rye erinnert hat. Aber Jack Kerouag ist noch viel wilder. Er ist hinreißend. Ähnlich gut sind die "Basketball Diaries". 60er und 70 er Jahre in New York. Das sind alles Bücher die mit Suche zu tun haben, mit der Suche nach Freiheit, mit Freiheitsgefühl. Das sind Bücher, die mich sehr früh geprägt haben.

Fabian Tausch: 01:16:05,840 --> 01:16:42,402
Das sind auch mal Sachen, die nicht so oft empfohlen wurden, weil sonst ist es ja immer dieses klassische Business Buch hier, das klassische Business Buch da kam und deswegen finde ich das auch super spannend. Also verlinke ich das in der Beschreibung hier. Und damit sage ich erstmal ganz großes Dankeschön dir. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir auch noch fünf weitere Stunden sprechen könnten. Weil du, glaube ich, ein sehr guter, auf der einen Seite ein sehr guter Geschichtenerzähler bist, viel erfahren hast, vieles Spannende aufrollen könntest und ich liebend gern weiter fragen würde. Aber da muss ich dich noch mal off the record fragen, ob wir das vielleicht mal irgendwann zum zweiten Mal oder so machen und dann noch auf ein paar andere Themen eingehen.

Kai Diekmann: 01:16:49,540 --> 01:16:59,120
Aber weil wir ja jetzt die 42 Grad erreichen, werden wir nicht in der Lage sein, weiter sinnvolle Gedanken und Prädikat, Subjekt in einer Folge aneinander zu kriegen.

Fabian Tausch: 01:16:59,950 --> 01:17:03,950
Kai ich sag ganz großes Dankeschön. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!

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